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Chronik

 

TV Bietingen von gestern bis heute

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Die Männer der ersten Stunde bewiesen viel Optimismus und Tatkraft, als sie schon bald nach Ende des ersten Weltkrieges, dem 24 junge Männer des Ortes zum Opfer fielen, einen "Verein der körperlichen und geistigen Kraft" den "TURNVEREIN BIETINGEN" gründeten. Die Gründungsversammlung fand am 13. März 1920 statt. Die Mitgliederzahl von 27 Aktiven, 12 Zöglingen und 54 Passiven Mitgliedern war unter Berücksichtigung der damals nicht einmal 500 Einwohner des Dorfes Bietingen wirklich bemerkenswert.

Aus den Protokollen der ersten Jahre geht eine sehr rege Vereinstätigkeit hervor. Schon bald wurden auch Kontakte zu den benachbarten Vereinen, vor allem zum sogenannten Patenverein Gottmadingen und zum Turnverein des schweizerischen Nachbarortes Thayngen aufgenommen. Noch im Gründungsjahr beteiligte sich der noch junge Verein schon am Gauturnfest in Engen.

In all den vergangenen Jahren war es immer ein bevorzugtes Ziel der Vereinsführung an den Wettkämpfen der Nachbarvereine, aber auch bei Gau -und Landesturnfesten, sowie an den Deutschen Turnfesten teilzunehmen. Schon 1922 beteiligte sich z.B. der Verein mit 22 Personen am zweitätigen Gauturnfest in Konstanz und erzielte in der sogenannten Stärkeklasse drei einen ersten Preis. Die Landesturnfeste in Offenburg, Mannheim, Lahr, Lörrach, Heidelberg, Weinheim, Singen, Rastatt, Pforzheim, Karlsruhe und Konstanz, sowie die Deutschen Turnfeste in Stuttgart, Breslau, Hamburg, Berlin, Hannover, Frankfurt, Dortmund, Hamburg, München und Leipzig sind allen Teilnehmern, ob jung oder alt, noch heute ein unvergessliches Erlebnis. Dabei wurden auch zahlreiche Preise, Diplome, Lorbeerkränze, oder wie auch immer die Auszeichnungen genannt werden, trotz starker Konkurrenz aus weit größeren Vereinen, errungen. Großzügig wurden die Teilnehmer jedes Mal aus der Kasse des Vereins unterstützt, was bei den geringen Jahreseinnahmen nicht immer leicht war.

Über die vielfältigen Geschehnisse im jungen Verein haben tüchtige Schriftführer in teilweiser recht offener, auch in gewissenhafter Weise Protokoll geführt. Eine ausführliche Satzung war Leitlinie für eine strenge Ordnung der Turnerschar. Mit viel Geschick und Fantasie wurden auch die großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Inflationszeit überstanden. Die schon weit gediehenen Planungen und Arbeiten für eine eigene Turnhalle mussten allerdings in dieser Zeit aufgegeben werden.

Die Anschaffung einer prächtigen Vereinsfahne ließ sich der Verein damals viel Geld kosten. Zur Fahnenweihe vom 18.05.1930 kamen aus dem Hegau 30 Vereine. Nach gründlicher Renovierung im Jahr 1978 kann diese Fahne heute noch bewundert werden und wird vom Verein bei besonderen Anlässen und Landes- und Deutschen Turnfesten auch stolz in der Öffentlichkeit gezeigt.

Kurz nach 1934 enden alle Aufzeichnungen über die Tätigkeiten des Turnvereins. Die vielfältigen Gliederungen der Einheitspartei des Dritten Reiches traten an seine Stelle.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, aus dem 44 Männer unseres Heimatortes nicht mehr zurückkehren durften, und dem Zusammenbruch des Reiches, konnte erst am 24.06.1949, mit Zustimmung der französischen Besatzungsmacht, der Turnverein wieder zu neuem Leben erweckt werden.

An dieser Stelle muss besonders des 1986 verstorbenen Ehrenvorsitzenden, Altbürgermeister Arnold Maier gedacht werden. Er gehörte zu den Gründern des Vereins. Er führte in über insgesamt 16 Jahre in den schwierigsten und entscheidensten Zeiten als erster Vorstand. Herr Maier war ein unermüdlicher Initiator, Mahner, Idealist und bis in sein hohes Alter aktiver Turner.

Die früher so beliebten und zu Tradition gewordenen Vereinsfeiern an Silvester, die Maiwanderung, das Herbstturnfest wurden wieder aufgenommen. Hinzu kam in der Vorfasnachtszeit der sogenannte Turnerball. Auch heute finden noch eine gemeinsame Wanderung und das Herbstturnfest statt. Des Weiteren wird jährlich ein Sommerfest und eine Nikolausfeier veranstaltet. Schon bald beteiligte sich der Verein wieder aktiv an den Festen der benachbarten Vereine und an Wettkämpfen auf Gau- und Landesebene. Im Wettbewerb mit weitaus größeren Vereinen konnte der Turnverein Bietingen immer ehrenvoll bestehen und kann es auch heute noch.

Schon bald wurde auch wieder der Bau einer geeigneten, eigenen Turnhalle geplant und auch in die Wege geleitet. Viele Sitzungen der Turnräte und der Vorstandschaft, viele Änderungen der Pläne, zahlreiche Aktivitäten der Vereinsmitglieder waren notwendig, bis Standort und Ausführungsart, aber auch die Finanzierung des großen Zieles feststanden. Es ist heute kaum noch nachvollziehbar, welche Belastungen die Turner in der Bauphase auf sich nahmen, um durch möglichst viel Eigenarbeit die Kosten des Turnhallenbaues erträglich zu machen, andererseits aber auch bei Wettkämpfen und Festen noch turnerisch mitzuwirken. Die Schlussabrechnung gab eine Bausumme von DM 32.000,--. Am 01.09.1956 konnte die Turnhalle eingeweiht werden. Stolz konnte der Verein verkünden, dass durch ein Einsatz des gesamten Vereinsvermögens, durch freiwillige, unentgeltliche Bauleistungen der Mitglieder, durch Zuschüsse von Gemeinde und Land keine Schulden gemacht werden mussten. Der Turnverein Bietingen hatte nun endlich eine eigene Übungsstätte. Die nun verbesserten Trainingsmöglichkeiten gaben dem Vereinsleben einen großen Aufschwung. Endlich konnte der Verein auch seine Feste im eigenen Haus abhalten.

In schwere Entscheidungsnot kam der Verein, als die Gemeinde beschloss, im Zusammenhang mit dem Bau eines neuen Schulgebäudes auch eine Fest -und Turnhalle zu errichten. Nur schweren Herzens wurde dem Verkauf der so mühevoll erkämpften, vereinseigenen Halle zugestimmt. Der gesamte Verkaufserlös wurde der Gemeinde als Spende zur Verfügung gestellt. Der Anteil des Turnvereins an diesem Betrag wurde auf DM 50.000,-- festgelegt.

Über zwei Jahre musste der Turnverein nun mit sehr eingeschränkten Übungsmöglichkeiten überbrücken. Erst mit der Fertigstellung des neuen Schulgebäudes und der angebauten Halle am 08.10.1966 hatte diese Notzeit ein Ende. Es folgte ein ungeahnter Aufschwung des Vereinslebens. Die schon bestehenden Riegen vergrößerten sich, neue kamen hinzu. Weitsichtig erkannte die damalige Vereinsführung den Trend der Zeit nach vielseitiger, sportlicher Betätigung und ermöglichte diese innerhalb des Turnvereins. Vor allem nahm das Interesse an aktiver, turnerischer und gymnastischer Betätigung bei den weiblichen Mitgliedern im Verein zu. Zwar ist schon aus ersten Vereinsprotokollen zu entnehmen, dass die Mädchen und Frauen aus Bietingen sich bei Veranstaltungen mit Reigen und Tänzen aktiv beteiligten. Nun aber stellten die Mädchen und Frauen bald die Mehrzahl der aktiven Mitglieder.

Eine besondere Aufgabe sieht der Turnverein in der Heranführung der Jugend zum gemeinsamen Sport und Spiel. Es ist heute keine leichte Aufgabe für die Übungsleiter der Riegen, die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu gegenseitigen Rücksichtnahme anzuhalten und zu motivieren.

Erfreulich ist jedoch, dass es immer wieder gelingt, junge Menschen aus den eigenen Reihen für eine Übungsleitertätigkeit zu gewinnen. Erwähnenswert ist auch, dass alle Übungsleiter in den inzwischen bestehenden 19 Gruppen ehrenamtlich für die Mitglieder des Vereins tätig sind.

Ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war das 75-jährige Jubiläum, das vom 06.-08.10.1995 in der Turnhalle mit einem Festakt, einem Jubiläumsabend, dem Festgottesdienst und einem gemütlichen Ausklang gefeiert wurde.

Nach bald 30-jähriger Benützung der gemeindeeigenen Turnhalle war diese für die heutigen Bedürfnisse mit ihrem Raumangebot kaum mehr ausreichend. Wieder, wie schon mehrmals in der Vereinsgeschichte rang die Vorstandschaft um eine baldige und bestmögliche Lösung. In langen Verhandlungen mit der Gemeinde und im Einklang mit den übrigen Vereinen des Ortes wurden am 21.01.1997 von der Gemeinde Gottmadingen 1,6 Millionen DM für den Hallenumbau bereitgestellt.

Die Planungen für einen Hallenumbau liefen auf Hochtouren. Immer wieder mussten Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt, Verhandlungen geführt werden und es kam zu Verzögerungen, bevor am 31.05.1999 die Umbauarbeiten an der Halle begannen. Wieder einmal konnte der Turnverein nur eingeschränkt im Probenlokal des Musikvereins und des Gem. Chores trainieren. Einige Gruppen wurden in Gottmadingen und Randegg in den dortigen Hallen aufgenommen. Trotz eingeschränkter Übungsmöglichkeiten wurden auch während der Umbauzeit Wettkämpfe besucht.

Nach gelungenem Hallenumbau und einer beachtlichen Vergrößerung der Hallenfläche nebst Nebenräumen wurde am 05.06.2000 die erste Übungsstunde in der neuen Turnhalle abgehalten. Die Halleneinweihung fand unter Mitwirkung aller Vereine vom 23.-25.06.2000 statt.

Einer der wichtigsten Personen und die treibend Kraft des Hallenbaues aus der Sicht des Turnvereins war sicherlich Klaus Zolg, der sich zur Generalversammlung am 15.03.2002 aus der Vorstandschaft verabschiedete. Er war insgesamt 33 Jahre in verschiedenen Ämtern für den Turnverein tätig, davon neun Jahre 2. Vorstand und siebzehn Jahre 1. Vorstand. Für seine besonderen Verdienste um den Verein wurde er 2002 zum Ehrenvorstand des TV Bietingen ernannt. Seinem Nachfolger Hansi Auer übergab er einen intakten Verein mit einer schönen, neuen Sportstätte und 462 Mitgliedern.

Der Turnverein Bietingen sieht seine Zielsetzung früher wie heute in einem sozialen, geselligen und sportlichen Miteinander vom Kleinkind bis zum Altersturner. Es ist zu hoffen, dass sich immer wieder Menschen finden, die weiter zum Wohl der Mitglieder und aller Menschen wirken. Denn die Stärke eines Vereins ist die Einheit von Tradition und Fortschritt.

(Ernst Mayer, Monika Trombik)
im Mai 2003

 

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